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Landesgartenschau Oberhessen 2027

Wenn im Jahr 2027 Jahren die Landesgartenschau ihre Tore öffnen wird, will sich die Region Oberhessen von ihrer besten Seite präsentieren. Elf Kommunen, gelegen in der östlichen Wetterau und den südlichen Ausläufern des Vogelsbergs, erhielten im Jahr 2021 gemeinsam den Zuschlag zur Ausrichtung der achten Auflage dieses hessischen Großereignisses. Dabei können die verbindenden Themengebiete Vulkan, Wasser, Natur und Geschichte sicherlich einen wertvollen Beitrag leisten, um das etwas eingestaubte Bild von zurückliegenden Gartenschauen mit neuen Impulsen zu beleben. Das mittelalterlich geprägte Büdingen ist eine dieser elf Kommunen. 

Büdingen, Echzell, Gedern, Glauburg, Nidda, Hirzenhain, Kefenrod, Limeshain, Ortenberg, Ranstadt und Schotten, alle in der ehemaligen Provinz Oberhessen gelegen, bereiten nun unterschiedliche Projekte vor dem Hintergrund der im Jahr 2027 stattfindenden Großveranstaltung vor. Eine Gartenschau ist nicht nur eine Leistungsschau des Garten- und Landschaftsbaus und seiner Fachverbände, sondern es ist ein signifikantes Instrument der Regionalentwicklung.

Büdingerinnen und Büdinger können sich gerne mit Ideen und Anregungen an landesgartenschau2027@stadt-buedingen.de einbringen. Um gemeinsam kreative Ideen zu entwickeln, fanden im Herbst 2023 Workshops für alle Ortsteile Büdingens statt.

Was ist eine interkommunale Landesgartenschau?

Bundesgartenschauen finden im zweijährigen Rhythmus statt und werden durch die Bundesrepublik Deutschland vergeben. Auf Länderebene finden regional unterschiedliche Landesgartenschauen in regelmäßigen zeitlichen Abständen statt. In Hessen werden diese oft als LAGA oder LGS abgekürzten, mehrmonatigen Veranstaltungen alle vier Jahre veranstaltet. Wirft man einen Blick in die Geschichte, so gab es bereits im 19. Jahrhundert Blumen- und Gartenausstellungen. Schon 1897 wurde für die Internationale Gartenbauausstellung in Hamburg der Fokus einer Gartenausstellung als Leistungsschau des Erwerbsgartenbaus in Richtung Stadtplanung verschoben. Unterschiedliche Konzepte unter städtebaulichen Gesichtspunkten entwickelten sich insbesondere in den Nachkriegsjahren weiter und führten dazu, dass in einigen Bundesländern seit den 1980ern, in Hessen seit 1994 regelmäßig Landesgartenschauen veranstaltet werden. In jüngster Zeit wandelt sich die planerische Idee der Gartenschauen von der Stadt- zur Regionalentwicklung. So werden nicht mehr nur Kommunen mit ausgedienten Industrieflächen oder anderen innerstädtischen Brachen bevorzugt als Austragungsorte für Landes- oder Bundesgartenschauen ausgelobt, sondern auch gemeinsame Projekte von benachbarten Kommunen im ländlichen Raum. Im Jahr 2019 vergab Baden-Württemberg an sechzehn kleinere und größere Kommunen entlang der Rems eine interkommunale Gartenschau. 2029 findet die erste von mehreren Städten gemeinsam durchgeführte Bundesgartenschau im Oberen Mittelrheintal statt - und elf hessische Kommunen veranstalten 2027 die erste interkommunale Landesgartenschau unter dem Gebietsbegriff "Oberhessen".

Wo liegt Oberhessen?

Bereits im Mittelalter wurde der südliche Teil des heutigen Hessen als Oberhessen bezeichnet. Der nördliche hingegen war als Niederhessen bekannt. Politische und gesellschaftliche Veränderungen ließen den Begriff Oberhessen räumlich erst wachsen, dann schrumpfen und schließlich drohte er in Vergessenheit zu geraten. Die elf Kommunen, die sich in den 1990ern als Verein Oberhessen e. V. zusammenschlossen, sind diejenigen, die im Jahr 2027 die erste hessische interkommunale Landesgartenschau ausrichten dürfen: Büdingen, Echzell, Gedern, Glauburg, Hirzenhain, Kefenrod, Limeshain, Nidda, Ortenberg, Ranstadt und Schotten.

Warum gibt es eine interkommunale Landesgartenschau in Büdingen?

Die Grafschaft Büdingen lag in der mittelalterlichen Gebietskulisse Oberhessens. Bereits in den 1930er Jahren wurde Büdingen als das "oberhessische Rothenburg" bezeichnet und der Büdinger Bahnhof trägt noch heute weithin sichtbar den Zusatz Oberhessen. Von der mittelalterlichen Grafschaft, später Fürstentum, dann Kreisstadt, entwickelte sich das original erhaltene mittelalterliche Kleinod zum heutigen Mittelzentrum mit 16 Stadtteilen und rund 23.000 Einwohnern. Vor nur 50 Jahren änderte sich die Gebietskulisse zum bisher letzten Mal: Der Landkreis Büdingen wurde aufgelöst und die meisten seiner Kommunen gingen im Wetteraukreis mit der Hauptstadt Friedberg auf. Die Unterscheidung des Wetteraukreises in Ost und West ist für das Verständnis der Vergabe der interkommunalen Landesgartenschau wichtig: Die im Westkreis gelegenen Kommunen befinden sich gleichzeitig nördlich des Rhein-Main-Gebietes und sind damit näher an die Metropolregion und deren dynamischen Entwicklung angebunden. Mit der Vergabe der ersten interkommunalen Landesgartenschau in Hessen an die weiter östlich gelegenen zehn Wetterauer Kommunen und das im Vogelsbergkreis gelegene Schotten soll ein übergreifender Regionalentwicklungsprozess gezielt gefördert werden.


Was macht die interkommunale Landesgartenschau Oberhessen 2027 aus?

Als Novum in der hessischen Gartenschaugeschichte steht die Landesgartenschau Oberhessen 2027 für die gemeinsame, nachhaltige Entwicklung von elf Städten und Gemeinden, die sich als eine Region verstehen. Sie bietet Potential für die Schaffung und Verbesserung von Lebensraumqualität, unterstützt die Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz, fördert Infrastrukturprojekte und lässt ein regionales Wir-Gefühl entstehen. Potentiale bergen aber auch immer Herausforderungen, die nur gemeinsam durch konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten optimal ausgeschöpft werden können.


Weshalb soll ich mich engagieren?

Die Workshop-Reihe für die Büdinger Stadtteile im Herbst 2023 schließt an zwei Informationsveranstaltungen an. Der Vergabeprozess, die ersten Schritte, Infrastrukturprojekte und Projektideen wurden vorgestellt, ein Seitenblick zur interkommunalen Landesgartenschau im Remstal 2019 gewagt und fachliche Impulse gegeben. Der Slogan Wir sind Garten soll im Jahr 2027 und darüber hinaus prägend für dieses einmalige Unterfangen der Regionalentwicklung in Oberhessen sein. Ein interkommunales Großereignis dieses Umfangs lebt insbesondere von Ideen und deren gemeinschaftlicher Umsetzung. Daher lädt die Stadt Büdingen herzlich ihre Bürgerinnen und Bürger ein sich für ihren Stadtteil, ihre Stadt, ihre Region zu engagieren!


Wie kann ich mich informieren und mitmachen?

Die Informationskanäle der Stadt Büdingen und der anderen zehn Kommunen, der Durchführungsgesellschaft gGmbH der Landesgartenschau Oberhessen und des Freundeskreises der Landesgartenschau Oberhessen 2027 bieten über die Informationsveranstaltungen und Workshops der Stadt Büdingen hinaus Wissenswertes und Aktuelles. Möglichkeiten zum Mitwirken und Engagieren gibt es in jeder Kommune, jedem Stadtteil – sprich in ganz Oberhessen.

Termine


Oberhessische Gartenschaukommunen als Entdeckerregion verstehen: Ideenaustausch der Büdinger Stadtteilworkshops und Fördermöglichkeiten

Nachdem im vergangenen Herbst Bürgerinnen und Bürger aller sechzehn Büdinger Stadtteile kreativ und tatkräftig an Workshops zum Thema der interkommunalen Landesgartenschau Oberhessen teilnahmen, stellten sie sich nun ihre Ideen untereinander vor. In kurzweiligen fünf Minuten pro Stadtteil präsentierten die Ideengeber die in engagierten Kleingruppen erarbeiteten Projekte und Impulse. Die Maßnahme der Zeitbeschränkung erwies sich als weise, denn von „B“ wie Büches bis „W“ wie Wolferborn ergoss sich ein wahres Füllhorn an guten Vorschlägen und Initiativen über die aufmerksamen Zuhörer.

Interessant dabei: Von Blumen war gar nicht so viel die Rede. Vielmehr ging es in fast allen Vorträgen um nachhaltige Verbesserungen, die weit über das Jahr 2027 hinausreichen und für die in der Mehrzahl die Gartenschau zwar der Anlass sein könnte, die aber ganz unabhängig davon erstrebenswert erscheinen. Die Aufenthaltsqualität im Dorfmittelpunkt wurde immer wieder genannt, dabei handelte es sich um Bürgerhäuser, Backhäuser, Dorfplätze, Spielplätze und Mehrgenerationenplätze, die nicht nur 2027 für Veranstaltungen und Feste aller Art zu nutzen wären.

Den zweiten großen Themenschwerpunkt bildeten die Wünsche nach verbesserten Spazier-, Wander- und Radwegen mit den zugehörigen Zielen, also Rastplätzen mit Ruhebänken, Hinweistafeln auf Sehenswertes in der Natur oder aus der Geschichte.

Nicht nur stadtteilübergreifend, sondern oberhessenweit ließe sich die Idee eines Musikfestivals an kleinen, feinen Orten umsetzten. Der Herrnhaag, eine besondere Geotop-Lage und schmucke Fachwerkhöfe könnten solche Orte sein.

„Wie wird dieser Spirit und der Tatendrang, der heute Abend deutlich wurde, weitergetragen?“ fragte Landschaftsarchitektin Anette Schött. Sie sprach den Engagierten aus dem Herzen: Wie geht es weiter? Wie können aus inspirierenden Ideen umsetzbare Projekte werden?

Quasi nahtlos fand am darauf folgenden Tag die von der Wirtschaftsförderung Wetterau (wfg) organisierte Förderwerkstatt der LEADER-Region Wetterau/Oberhessen zur Landesgartenschau Oberhessen 2027 in der Willi-Zinnkann-Halle in Büdingen mit über 120 Teilnehmern statt. 

Silvia Kirmis, Projektmanagerin bei der wfg, führte mit Charme durch den Abend. Zur Verdeutlichung, dass Fördermittel Werkzeuge für die durch die Landesgartenschau angestoßene Regionalentwicklung sind, nutzte sie die Analogie zu einem Schubkarren, der sich nach jedem Kurzvortrag mit Handwerkszeug zur Umsetzung von Gartenschauprojekten füllte. 

Klaus Karger, Geschäftsführer der wfg, betonte die Chancen des einmaligen Großprojektes der interkommunalen Landesgartenschau in elf Kommunen mit 87 Ortsteilen. Als vorbildhafte Bürgerbeteiligung würdigte Thomas Hellingrath, Geschäftsführer der Landesgartenschau Oberhessen 2027 gGmbH (LGS gGmbH), den Beteiligungsprozess in Büdingen als größte der elf Gartenschaukommunen und schlug damit die Brücke zwischen Bürgerengagement und den vorgestellten Fördermöglichkeiten. Er stellte zudem das Projekt der „Entdeckerorte“ vor. In Kürze bekommen alle Oberhessinnen und Oberhessen die Möglichkeit Orte, die sie gerne Besuchern zeigen, an die LGS gGmbH zu melden. Diese Orte fließen in das Konzept der „Entdeckerregion“, als welche Oberhessen im Jahr 2027 vermarktet wird, ein.

Sina Happel, Projektmanagerin von „DORFundDU – Die Dorf-Akademie der LEADER-Region Wetterau/Oberhessen“, stellte das Unterstützungsangebot für Bürgerinnen und Bürger durch die Akademie vor. Über das Projekt fand auch das kooperative Studienprojekt „Geomarketing“ mit der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen statt. Dieses hatte zum Ziel, eine nachhaltige Dorfentwicklung im Kontext der Landesgartenschau aufzuzeigen sowie die Potenziale der ausgewählten Bewerber-Dörfer herauszuarbeiten. Sie zeigte einen bunten Blumenstrauß an kreativen Ideen, welche die Studierenden erarbeitet haben. Nach dem Motto „Alle guten Dinge sind drei“ wird die erfolgreiche Kooperation zwischen JLU und wfg auch im kommenden Wintersemester 2024/2025 in eine dritte Projektrunde gehen – allerdings mit einer etwas abgewandelten Aufgabenstellung. Stadt-/Ortsteile aus der Gebietskulisse der Landesgartenschau 2027 können ihr Interesse bei der Projektmanagerin bekunden.

Es folgten Kurzvorstellungen unterschiedlicher Förderprogramme. Britta Schellhammer (wfg) präsentierte das LEADER-Programm. Für Projekte, die sich in der Lokalen Entwicklungsstrategie (LES) wiederfinden, stehen 5.985.000 Euro für den Zeitraum von 2023 bis 2027 zu Verfügung. Antragsberechtigt sind Gemeinden und Gemeindeverbände, öffentlich nicht-kommunale Träger, private Träger (z. B. Vereine) sowie Klein- und Kleinstunternehmen. Abhängig vom Antragsteller und von der Förderkennziffer liegt die Förderquote zwischen 25 bis 80 Prozent auf die förderfähigen Netto-Ausgaben. Ähnlich dem LEADER-Programm, fördert das Regionalbudget Kleinst-Projekte, die auf der LES basieren, mit einer Förderquote von 80 Prozent. Mit dem Unterschied, dass die Gesamtinvestitionssumme maximal 20.000 Euro brutto betragen darf. Christina Braum von der Strukturförderung des Wetteraukreises stellte die Förderprogramme Unser Dorf hat Zukunft, Dorfentwicklung und Dorfmoderation vor. Sie ließ Bilder sprechen, welch beeindruckende Schmuckstücke aus alten Leerstandsgebäuden dadurch bereits hervorgebracht wurden. Die Regionalbeauftragte Annelie Emminger umriss das Programm Starkes Dorf. Vor allem interessant für ehrenamtlich umgesetzte Kleinst-Projekte, die beispielgebend den gesellschaftlichen Zusammenhalt eines Dorfes stärken, das Miteinander der Generationen fördern und die Lebens- und Aufenthaltsqualität dörflicher Zentren verbessern. Förderanträge zu Projekten mit Kultureller Bildung können über das Programm LandKulturPerlen gestellt werden.

Um Wissen zu konzentrieren, Ideen zu bündeln und voranzubringen lädt das Regionalmanagement Wetterau/Oberhessen alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich aktiv in der Projektgruppe Landesgartenschau zu beteiligen. Jürgen Stelter als Erster Vorsitzender des Freundeskreises Landesgartenschau 2027 Oberhessen e.V. ist Pate dieser Projektgruppe. Los geht es am 18. April. Er betonte, dass Bürgerinnen und Bürger oberhessenweit für ihr Dorf brennen und führte ehrenamtliche Beteiligungsformen beispielsweise als Botschafter oder Gästeführer aus.

Die Antwort auf die Frage „Wie geht es weiter?“ stellte Sina Happel von der wfg vor. Sie präsentierte die Systematik der Ansprechpartner in den elf Gartenschaukommunen für Ideen zur Landesgartenschau. Angelehnt an den LEADER-Prozess muss eine durchdachte Projektidee in Form einer von der wfg vorgegebenen Projektkurzbeschreibung an den jeweiligen Ansprechpartner in der Kommune eingereicht werden, alle Ideen dort gebündelt zusammenlaufen und als Ganzes in das Gesamtkonzept zur Landesgartenschau eingebettet werden können.

Abschließend wies Bernd-Uwe Domes als Geschäftsführer der wfg auf zwei anstehende Schulungen der Dorf-Akademie zum Thema „Klimaangepasste Begrünung“ im Juni 2024 für die 19 Kommunen der LEADER-Region Wetterau/Oberhessen und Schotten hin: „Bunt, klimaangepasst und pflegereduziert: Neue Wege im Kommunalen Grün“ für Kommunalverwaltungen am 07. Juni sowie „Bunt, attraktiv und pflegereduziert: Klimaangepasste Pflanzungen im Hausgarten“ für Privatpersonen am 08. Juni. Die Schulungs- und Qualifizierungsmaßnahme mit dem Fokus „Gärtnern“ findet in Büdingen statt und vermittelt sowohl theoretische als auch praxisorientierte Informationen zu klimagerechten Baum- und Staudenpflanzungen.

Alle Informationen und fördertechnischen Details des Abends sind nachzulesen unter: https://www.wfg-wetterau.de/regionalentwicklung/aktuelles.html

Förderwerkstatt zur Landesgartenschau Oberhessen 2027

Die Wirtschaftsförderung Wetterau veranstaltet gemeinsam mit der Stadt Büdingen und der Landesgartenschau Oberhessen 2027 gGmbH die Förderwerkstatt der LEADER-Region Wetterau/Oberhessen zur Landesgartenschau Oberhessen 2027 am

Dienstag, 20. Februar 2024, um 19:00 Uhr

Ort: Willi-Zinnkann-Halle Büdingen (Eberhard-Bauner-Allee 16, 63654 Büdingen)

An diesem Abend erwarten Sie Neuigkeiten zur Landesgartenschau Oberhessen 2027 und den Fördermöglichkeiten für Projekte im ländlichen Raum. Sie erhalten aktuelle Informationen aus der Dorf-Akademie Wetterau/Oberhessen und spannende Einblicke in das kooperative Studienprojekt "Geomarketing". Zusätzlich werden Ihnen die Beteiligungsmöglichkeiten und Ansprechpartner im Rahmen der Landesgartenschau vorgestellt. Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit sich auszutauschen und Fragen zu stellen.

Wir freuen uns sehr, wenn wir auch Sie an diesem Abend begrüßen dürfen!

Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist erwünscht und hier möglich. Aber auch Kurzentschlossene sind herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Förderwerkstatt LEADER-Region Wetterau Oberhessen 24.02.2024 © Wirtschaftsförderung Wetterau GmbH
Förderwerkstatt LEADER-Region Wetterau Oberhessen 24.02.2024 © Wirtschaftsförderung Wetterau GmbH

Ideenschmiede gestartet

Stadtteilworkshop Büdingen und Orleshausen © Arnika Haury
Stadtteilworkshop Büdingen und Orleshausen © Arnika Haury

Das Entwicklungsprojekt Landesgartenschau, welches im Jahr 2027 in Oberhessen erstmalig im Bundesland Hessen interkommunal stattfindet, schiebt bleibende Veränderungen an. Dazu zählen Dauergrünanlagen, die in vier der elf oberhessischen Kommunen entstehen, und von der Landesgartenschau Oberhessen 2027 gGmbH gemeinsam mit den Stadt- bzw. Gemeindeverwaltungen umgesetzt werden. Dazu gehört auch die Entwicklung der Sportplatzflächen auf der Bruchwiese in Büdingen zu einem Stadtpark.

Fokus der Stadtteilworkshops sind darüber hinausführende Projekte von und für Bürger:innen, die lokal und auch interkommunal auf Bürgerebene umgesetzt werden können.

Der erste von sechs Stadtteilworkshops zur Landesgartenschau Oberhessen 2027 in Büdingen ließ Bürger:innen ihre Dörfer neu betrachten und gab Impulse zur Ideenfindung. Erste Stadträtin Katja Euler skizzierte die Möglichkeiten sich als Dorfgemeinschaft einzubringen und betonte, dass nur durch gemeinsames Umsetzen vor Ort etwas verändert werden kann. Ideen für gärtnerische Aufwertungen, bauliche Änderungen, buchbare Erlebnisse, Unterkünfte, temporäre gastronomische Angebote, Kunstinstallationen und vielem mehr wurden in Arbeitsgruppen gesammelt, diskutiert und festgehalten. 


Um Anmeldung an landesgartenschau2027@stadt-buedingen.de bis zwei Tage vor dem jeweiligen Termin wird gebeten.

Im Februar 2024 findet eine Förderwerkstatt in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung Wetterau statt.

Landesgartenschau Oberhessen trifft das Remstal: Schwung mitnehmen und Chance nutzen

Landesgartenschau ist ein großer Begriff. Interkommunale Gartenschau ist ein noch größerer Begriff. Im Jahr 2027 wird in elf Kommunen, die sich als Oberhessen verstehen und sich zukünftig als Oberhessen gemeinsam vermarkten möchten, die erste interkommunal organisierte Landesgartenschau in Hessen stattfinden. Die Vergabe dieses Regionalentwicklungsprojektes ist die größte Chance, die der Ostkreis des Wetteraukreises gemeinsam mit Schotten im Vogelbergkreis wahrscheinlich je gemeinsam ergreifen können. 

Bereits im Jahr 2020 fand ein Besuch im Remstal, der Region, die die erste interkommunale Landesgartenschau in Baden-Württemberg im Jahr 2019 ausrichtete, statt. Damals berichteten insbesondere Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter von der einmaligen Entwicklungschance, der Entstehung eines Wir-Gefühls entlang der Rems und über drei Landkreisgrenzen hinweg. Sie strahlten Begeisterung für die Herausforderung einer Gartenschau aus und begründeten das gelungene Großevent mit gesellschaftlichem Zusammenhalt, der Verbesserung von Parks, Gärten, der Installation von Aussichtspavillons, dem verbindenden Radweg und der Durchführung großer und kleiner Veranstaltungen. 

Im September 2023 lud die Stadt Büdingen politisch Aktive, ehrenamtlich Engagierte und Vertreter:innen der Bürgerschaft ein, die nachhaltig gestalteten Projekte des Remstals gemeinsam zu besuchen. Vier Jahre nach dem eigentlichen Gartenschaujahr wurden die Besucher:innen aus Oberhessen von Macher:innen begrüßt, die ihre Projekte mit Begeisterung weiter ausbauen und pflegen. In Winterbach beispielsweise wurde der MitMachGarten von einem Bürgerzusammenschluss gemeinschaftlich von der Idee bis zum fertigen Begegnungsraum im Grünen entwickelt. Unterstützungsgelder gab es von der Kommune und freiwilligen Spendern. „Wir sind ein loser Zusammenschluss von Bürgern aller Gesellschaftsschichten, die gerne gemeinsam etwas auf die Beine stellen und das Gärtnern genießen“, berichtet Frau Larissa Eißler mit sanften Worten.

Wenig später erzählt Winzer Mathias Mayerle mit strahlenden Augen, wie gut der naturnahe Wasserspielplatz in Remshalden-Grunbach von jungen Familien angenommen wird und wie positiv sich die Gartenschau auf die Vermarktung der Herkunftsregion Remstal ausgewirkt hat. In direkter Nachbarschaft befindet sich ein Schauweingarten mit über mehr als 100 heimische und internationale Rebsorten, der vom Rosenpavillon überblickt wird. Dieser ist eine von 16 Stationen in den 16 Gartenschaukommunen, die als verbindendes Element entlang der Rems gebaut wurden. Der Ausblick ist so romantisch, dass das Standesamt Remshalden im weißstrahlenden, offen gestalteten Pavillon Trauungen anbietet.

Eine Zufallsbegegnung im Bürgerpark in Schorndorf offenbart eine ganz andere Sichtweise. Zwei ältere Damen sitzen auf einer Bank, überblicken die Spielgeräte und den zentralen Teich. Sie fragen, ob wir eine Stadtführung machen würden. Sie freuen sich über die Antwort, dass wir auf den Spuren der Gartenschau 2019 unterwegs sind. Sie berichten, dass sie sich täglich im Bürgergarten treffen: „Das ist wie unser eigener Vorgarten, nur, dass wir ihn nicht selbst pflegen müssen.“ Der Schorndorfer Bürgergarten ist ein Projekt der Stadt Schorndorf gewesen, wird nach wie vor kommunal gepflegt und ist ein offenes Wohnzimmer für die Zivilgesellschaft. Ein Highlight ist eine architektonisch ansprechend gestaltete Outdoor-Küche, die für private Zusammenkünfte angemietet werden kann. 

Bei einem Glas alkoholfreiem, perlenden Saft in der Remstal Tourist-Information in Weinstadt gibt Geschäftsführer Werner Bader einen Einblick in das, was vom Zusammenwachsen der Region geblieben ist: Freizeitangebote, Parks und Gärten, Steigerung der überregionalen Sichtbarkeit und Wettbewerbsfaktoren für Tourismus und Wirtschaft. „Die Gartenschau war ein Grünprojekt mit Mega-Strahlkraft“, resümiert er. „Und die Heimatmarke Remstal hat heute einen etablierten Platz in der Marketinglandschaft Baden-Württembergs.“ Gleichzeitig weist er darauf hin, dass frühzeitig in Personalressourcen und Öffentlichkeitarbeit investiert werden müsse.

Auf der Rückfahrt fühlt sich Büdingens Erste Stadträtin Katja Euler in der Entscheidung Teil der ersten interkommunalen Gartenschau in Hessen zu sein, bestätigt. Sie möchte den Schwung und die Motivation, die sie auch vier Jahre nach Durchführung der Landesgartenschau im Remstal vorgefunden hat, mit nach Oberhessen nehmen. „Oft fühlen wir uns im Ostkreis der Wetterau irgendwie von der Kreisstadt vernachlässigt. Jetzt haben wir die einmalige Gelegenheit mit Unterstützung des Landes und des Landkreises gemeinsam mit der Bürgerschaft und den angrenzenden Kommunen ein einmaliges und wegweisendes Pilotprojekt umzusetzen. Die Kolleg:innen im Remstal haben gezeigt, wie man diese Chance bestmöglich gemeinsam nutzt“, reflektiert Bürgermeister Benjamin Harris die Eindrücke des Tages in Baden-Württemberg.

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