Fachtagung im Schloss Büdingen: Geschichte, die über Kontinente verbindet
Die Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland in Hessen (IDRH) war erneut zu Gast in Büdingen. Im Schloss Büdingen fand die Fachtagung „Zwischen Einwanderung, Deportation und Neubeginn: Wegweisende Ereignisse der russlanddeutschen Geschichte“ statt. Anlass war unter anderem der 85. Jahrestag der Deportation der Russlanddeutschen.
Die IDRH engagiert sich seit vielen Jahren für Integration, politische Bildung sowie für die Vermittlung und Bewahrung der Geschichte und Kultur der Deutschen aus Russland. Die Festrede der Fachtagung hielt Andreas Hofmeister, Beauftragter der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler.
Dass Büdingen dabei immer wieder Veranstaltungsort ist, hat einen besonderen historischen Hintergrund. Büdingen spielte bereits vor mehr als 250 Jahren eine bedeutende Rolle bei der Auswanderung Deutscher in das Russische Reich. Nach dem Manifest der russischen Kaiserin Katharina II. machten sich zahlreiche Deutsche auf den Weg nach Russland. Auch das Programm der Fachtagung griff diese Auswanderungsbewegung in einem kulturellen Beitrag auf.
Büdingen entwickelte sich damals zu einem wichtigen Sammelpunkt für Auswanderungswillige. Viele von ihnen heirateten vor ihrer Weiterreise in der Büdinger Marienkirche, da für die Ansiedlung im Wolgagebiet verheiratete Paare vorgesehen waren. Diese historische Verbindung ist bis heute ein wesentlicher Grund dafür, dass die IDRH regelmäßig Veranstaltungen in Büdingen durchführt.
„Büdingen ist mit der Geschichte der Deutschen aus Russland auf besondere Weise verbunden. Vor mehr als 250 Jahren begann für viele Menschen von hier aus der Weg in eine neue Heimat. Umso mehr freut es mich, dass Büdingen heute wieder ein Ort der Begegnung, der Erinnerung und des internationalen Austauschs ist“, erklärte Bürgermeister Benjamin Harris.
Ein besonderer Höhepunkt der diesjährigen Fachtagung war der Besuch einer Delegation aus Valle María in der argentinischen Provinz Entre Ríos. Bürgermeister Mario Sokolovsky und Gustavo René Hein, Präsident der Abgeordnetenkammer der Provinz Entre Ríos, gehörten zu den Gästen im Büdinger Schloss.
In Argentinien leben bis heute zahlreiche Nachfahren der Wolgadeutschen. Ihre Vorfahren waren zunächst in das Russische Reich ausgewandert. Spätere Generationen fanden schließlich in Nord und Südamerika eine neue Heimat. Besonders beeindruckend ist, wie lebendig Teile des deutschen kulturellen Erbes dort bis heute geblieben sind. Deutsche Mundarten, traditionelle Gerichte, Lieder, Trachten und handwerkliche Traditionen werden über Generationen hinweg gepflegt.
Zwischen den Gästen aus Argentinien und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Fachtagung entwickelte sich schnell ein herzlicher Austausch. Eine wichtige Unterstützung leistete dabei Arnika Haury von der Stadt Büdingen, die die argentinische Delegation auf Spanisch begrüßte und den persönlichen Austausch unterstützte. Auch im offiziellen Programm war ihre spanischsprachige Begrüßung vorgesehen.
Die Fachtagung verband historische Aufarbeitung mit persönlichen Begegnungen. Fachvorträge beschäftigten sich unter anderem mit der Auswanderungsgeschichte der Deutschen über die Wolga nach Zentralasien und Sibirien, mit Anlass, Folgen und Gedenken an die Deportation der Russlanddeutschen vor 85 Jahren sowie mit den generationellen und emotionalen Traumata der Wolgadeutschen.
„Die Begegnung mit unseren Gästen aus Argentinien hat mich besonders beeindruckt. Trotz der großen geografischen Entfernung gibt es viele gemeinsame historische und kulturelle Wurzeln. Man spürte sofort eine große Verbundenheit. Solche Begegnungen zeigen, dass Geschichte nicht nur Erinnerung ist. Sie kann auch Brücken zwischen Menschen, Städten und Ländern bauen“, so Bürgermeister Harris.
Solche Begegnungen zeigen, wie Geschichte Menschen über Länder und Kontinente hinweg miteinander verbindet. Sein Dank gilt Natalie Paschenko und dem gesamten Team der IDRH für ihr großes Engagement und für diese besondere Veranstaltung in Büdingen.
„Schön, dass Ihr wieder bei uns zu Gast wart. Und herzlich willkommen an unsere neuen Freunde aus Argentinien!“