Drei Stunden Zukunft: 7. Klasse wird zur »Konferenz der kommenden Entscheidungen«
„Herzlich Willkommen zur Konferenz der kommenden Entscheidungen. Eine Konferenz? Ja was ist das denn bitte? Da kommen Menschen zusammen, meistens Fachleute, die sich über ein Thema austauschen. Und euer Thema heute? Die Zukunft!“
Mit diesen Worten begann am 23. Februar um 10:00 Uhr eine besondere Veranstaltung in der Sporthalle der Schule am Dohlberg. Im Rahmen des internationalen Theaterfestivals Starke Stücke wurde eine 7. Klasse für drei Stunden selbst zur Entscheidungsgemeinschaft.
Das Festival ist ein Projekt der KulturRegion FrankfurtRheinMain und bringt jährlich internationale Theaterproduktionen für junges Publikum in die Rhein-Main-Region. Die Stadt Büdingen nimmt in diesem Jahr erstmals mit zwei Spielorten am Festival teil.
Eine Radioshow als demokratisches Experiment
Rund 30 Schülerinnen und Schüler nahmen auf scheinbar zufällig in der Halle verteilten Stühlen Platz – ausgestattet mit Kopfhörern. Was folgte, war keine klassische Theateraufführung, sondern eine live produzierte Radiosendung. Hinter einer Trennwand im Raum befand sich das „Studio“, aus dem Moderation, Musik und Impulse direkt auf die Kopfhörer der Jugendlichen übertragen wurden.
Die Konferenz begann mit einer moderierten „Morningshow“ – inklusive Atemübungen und einer kleinen Selbstfindungsreise. Schnell entwickelte sich daraus ein lebendiger Austausch: einfache Alltagsfragen wie „Bus oder Auto?“ wurden diskutiert – ohne richtig oder falsch. Doch im Verlauf der dreistündigen Performance wurden die Themen zunehmend konkreter.
Wenn Zukunft konkret wird
Die Schülerinnen und Schüler übernahmen immer stärker selbst die inhaltliche Führung. Die Diskussionen verlagerten sich vom Alltag hin zu Fragen des Schulbetriebs, zu Mitbestimmung, Strukturen und Themen, die sie persönlich bewegen.
In Interviewsituationen kam jede und jeder zu Wort. Jede Stimme wurde gehört. Argumente wurden ausgetauscht, Meinungen abgewogen, unterschiedliche Perspektiven respektvoll diskutiert. Teilweise entstand ein gemeinsamer Konsens, an anderer Stelle wurde demokratisch abgestimmt. So wurden demokratische Prozesse nicht nur theoretisch vermittelt, sondern unmittelbar erfahrbar.
Am Ende stand eine umfangreiche Ideensammlung. Klassenlehrerin Marlen Slanker nahm ebenfalls teil und wird die erarbeiteten Themen nun mit ihrer Klasse in den kommenden Klassenlehrerstunden weiter vertiefen und mögliche Umsetzungsschritte prüfen.
Innovatives Format mit nachhaltiger Wirkung
Für die Schule am Dohlberg war das Format eine Premiere – und auch für Büdingen insgesamt ein innovativer Schritt im Bereich kultureller Bildung und Demokratieförderung.
Die besondere Struktur der Performance erwies sich als methodisch durchdacht: Durch die Radioshow-Atmosphäre, die klare Moderation und die gezielten Interviewmomente wurden auch zurückhaltende Schülerinnen und Schüler aktiviert. Die anfängliche Unsicherheit wich schnell einer engagierten und konzentrierten Diskussionskultur.
Erste Stadträtin Katja Euler unterstreicht als Bildungs- und Kulturdezernentin die Bedeutung solcher Formate für die Stadt: „Ich bin glücklich, dass es uns gelungen ist, in die Reihen der Veranstalter dieses wunderbaren Festivals aufgenommen zu werden. Mit der Ergänzung des hiesigen Angebots durch internationale Produktionen, insbesondere in den Schulen, tragen wir zur kulturellen Teilhabe auch der Kinder und Jugendlichen bei, bei denen der Theaterbesuch vielleicht nicht zum Familienalltag gehört. Wenn mit der „Konferenz der kommenden Entscheidungen“ ein interaktives Theatererlebnis mit dem Erkenntnisgewinn über die Bedeutung demokratischer Prozesse einhergeht, wird hier sogar ein doppelter Gewinn erzielt.“
Die Stadt Büdingen möchte nun gemeinsam mit der Schule prüfen, wie das Konferenzformat oder ähnliche Modelle perspektivisch verstetigt werden können.
Festival geht weiter: Große Nachfrage für Familien- und Schulvorstellungen
Am Sonntag, 1. März 2026, um 15:00 Uhr folgt in der Willi-Zinnkann-Halle die öffentliche Familienvorstellung „Tüftelgeschichten (Tinker Tales)“ der niederländischen Kompanie plan d-.
Bereits jetzt zeichnet sich eine große Resonanz ab: Für die Schulvorstellung am 2. März liegen schon über 400 Anmeldungen vor. Damit zeigt sich deutlich, wie hoch das Interesse an zeitgenössischem, partizipativem Theater für junges Publikum in Büdingen ist.
Das vorläufige Fazit: Die erstmalige Teilnahme Büdingens am Festival wird sehr positiv wahrgenommen. Die Zusammenarbeit mit der KulturRegion FrankfurtRheinMain und dem Festivalteam erweist sich als konstruktiv und bereichernd. Das gewonnene Netzwerk und Know-how bieten wertvolle Impulse für zukünftige kulturelle Projekte in der Stadt.